Ostersonntag. Es ist noch sehr früh; die Nacht trägt noch ihr dunkles Kleid, als ich mich auf den Weg zur Kirche mache. Ich ordne unterwegs meine Gedanken und erinnere mich an frühere Osterfeste. Welch kindliche Aufregung und Freude, die ich jetzt, als Erwachsene, nicht mehr auslebe, aber die immer noch in meiner Erinnerung inne wohnt.
Nicht lange und ich erreiche mein Ziel. Überrascht erkenne ich bei meiner Ankunft einen hellen Schein, in dem dunklen Morgen - ein kleines Osterfeuer!
Das Knistern des Holzes und der bestimmte Geruch erfüllen mein Herz mit Nostalgie, so dass ich eine kleine Geschichte aus jener Zeit erzählen möchte, in der ich den Ernst der Welt noch nicht wahrgenommen habe.
Die großen Feste wurden immer mit der Familie gefeiert. Mal im engeren Kreis, aber dann auch im großen. Zu letzteres fuhren wir ins Burgenland, wo meine Verwandschaft ist. Ich war noch ein kleines Kind, mit großer Fantasie und übermäßiger Tollheit, als es nun wieder einmal Ostern war.
Genau genommen war es Karsamstag.
Nach dem köstlichen Essen meiner Großmutter und Großtante (sie kochten immer besondere Gerichte, wenn wir kamen), hob mein Onkel an, Holz zu sammeln. Ich wusste schon wofür- das alljährliche Osterfeuer!
Unbedingt wollte ich mit und dabei sein. Meine Cousinnen ebenso, auch wenn wir alle keine große Hilfe waren. Wir sahen meinem Onkel zu, und hielten die abgeschnittenen Äste, die er von den Büschen am kleinen Bach nahm. Diese Äste wurden nicht zum Brennen genommen, sondern für eine ganz andere, wichtige Sache - dem Würstel braten.
Das Brennholz wurde das ganze Jahr über bereits gesammelt, so dass wir nichts machen und nur Angst ums Wetter haben mussten. Denn es war immer ein Unglück, wenn es regnete und somit kein Feuer entfacht werden konnte.
Den restlichen Nachmittag dachte ich an das Feuer. Als Kind war dies besonders spannend, denn wann durfte man so lange schon draußen bleiben, und das Nachts. Und dann gab es auch noch ein großes Feuer. Ja, als Kind nimmt diese Sachen doch anders wahr.
Wir nahmen alle, die ganze Familie, einen Ast, spießten unser Würstchen (oder auch die Semmeln) auf und hielten sie über das Feuer.
Dieser einfache Schmauß war herrlich und auf seine Art besonders gut. Auch die Stimmung war heiter und alle waren lustig drauf.
Das Osterfeuer spendete Wärme und Licht.
So feiert wir in die Osternacht hinein.
Immer noch liebe ich diesen Brauch, auch wenn er umwelttechnisch umstritten ist. Aber es liegen so wunderbare Erinnerungen daran und das wohlige Gefühl des knisterten Feuers überwiegen.
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